Rund 30 Gäste waren der Einladung der Gemeindewerke Biebertal gefolgt und fanden sich am 20. August zur feierlichen Eröffnung auf dem Gelände der neuen Klärschilf-Anlage ein. Darunter Mitglieder des Gemeindevorstands und der Betriebskommission, interessierte Bürger sowie Vertreter der PAULY GROUP. Gastgeber war der technische Leiter der Abwasserbetriebe, Markus Müller. Harald Kienholz, Mitglied des Gemeindevorstands, gab zum Einstieg einen Überblick über die Entstehung der Anlage. Anschließend konnten die Anwesenden live erleben, wie eines der neuen Schilfbeete mit Klärschlamm beschickt wurde. Beim Bau der neuen Klärschilf-Anlage waren einige Herausforderungen zu bewältigen. Gut 650 Meter und zwei Fließgewässer liegen zwischen der Kläranlage und den Schilfbeeten, die zudem auf einer kleinen Anhöhe und in unebenem Gelände liegen. Für die Rohrleitungen wurden die Gewässer mittels Spülbohrung unterquert und die drei Beete terrassenförmig und leicht höhenversetzt angelegt. Für die moderne Beschickungstechnik kein Problem. Sie erlaubt nahezu beliebige Beetformen, die auch an schwieriges Gelände angepasst werden können. Nach nicht einmal einem Jahr Bauzeit ging die neue Klärschilf-Anlage im März zunächst in den Probebetrieb. Seit Juni wird der gesamte Nassschlamm der Kläranlage in die Beete geleitet, das sind rund 11.500 Kubikmeter pro Jahr.
Markus Müller fasste zusammen: „Und wenn ich mich heute umschaue, hat sich in jedem Fall der lange Weg gelohnt und wir freuen uns auf ein gutes Gelingen der Anlage jetzt nach der Inbetriebnahme und eine tolle Zusammenarbeit mit der THE PAULY GROUP.“
Planung, Bau, Betreuung und Entsorgung aus einer Hand
Als Totalunternehmer hat THE PAULY GROUP Planung, Bau und alle erforderlichen Gutachten, Anträge und Einzelarbeiten koordiniert. Termin- und Kostensicherheit waren dadurch stets garantiert. Auch nach der Fertigstellung bleibt THE PAULY GROUP für die Gemeindewerke Biebertal ein verlässlicher Partner. Fachleute der Abteilung Service Ökotechnik werden die Entwässerungsleistung der Anlage regelmäßig überprüfen und in enger Absprache mit dem Personal der Kläranlage ggf. mögliche Optimierungsmaßnahmen umsetzen. Und auch die zukünftige Räumung und Verwertung ist bereits vertraglich vereinbart. Damit ist das gesamte Klärschlammmanagement der Kläranlage Biebertal auf viele Jahre in sicheren Händen, wirtschaftlich, ökologisch und nachhaltig.
Geringe Betriebskosten, weniger Entsorgungsmenge, hohe Entsorgungssicherheit
Bei der ökologischen Entwässerung mit Klärschilf wird der Klärschlamm in großflächige Schilfbeete geleitet und dort durch Verdunstung und Versickerung entwässert. Die Energie dafür liefern allein Sonne, Wind und Schwerkraft – kostenlos, regenerativ und 100 Prozent CO2-neutral. Zusätzliche Energie wird nur für die Pumpen und die vollautomatische Anlagensteuerung benötigt. Im Wurzelbereich der Schilfpflanzen bauen Mikroorganismen die organischen Bestandteile des Klärschlamms ab, mineralisieren sie und reichern ihn mit Humus an. Im Ergebnis wird dadurch die zu entsorgende Restmenge erheblich reduziert, im Vergleich mit einer mechanischen Entwässerung um bis zu 50 Prozent. Entsprechend geringer sind auch die Entsorgungskosten.
Acht bis 12 Jahre werden die Schilfbeete kontinuierlich mit Klärschlamm beschickt und dienen in dieser Zeit gleichzeitig als Lager. Ist ein Beet voll, wird der entwässerte und mineralisierte Klärschlamm ausgebaggert – geräumt – und entsorgt. Ökologisch entwässerter Klärschlamm kann dann sowohl landwirtschaftlich verwertet als auch verbrannt werden.
Die jahrelange Lagerzeit erlaubt eine langfristige Planung der Entsorgung. Die schon ab 2029 vorgeschriebene Phosphorrückgewinnung wird aller Voraussicht nach zu Kapazitätsengpässen und einer erheblichen Kostensteigerung bei der Entsorgung führen. Wer Klärschlamm ökologisch entwässert, gewinnt viele Jahre Zeit und kann die Entwicklung in Ruhe abwarten.
Entsorgungssicherheit, geringer Wartungsaufwand, geringe Betriebskosten, deutlich verringerte Restmenge und Entsorgungskosten und nicht zuletzt eine überragende CO2‑Bilanz, auch Biebertal profitiert jetzt von diesen Vorteilen und wird es für Jahrzehnte tun. Denn wenn ein Beet nach vielen Jahren geräumt wurde, treibt das Schilf von selbst wieder aus und der nächste Betriebszyklus kann beginnen. Viele der über 100 bestehenden Klärschilf-Anlagen laufen so bereits seit 20 Jahren und länger.






