Skip to main content

NEUIGKEITEN

Intensiver Erfahrungsaustausch beim Praxistag in Adelebsen

Zum ersten Praxistag in diesem Jahr trafen sich am 14. April rund 30 Betriebsleiter und Mitarbeiter mehrerer Kläranlagen, um sich selbst ein Bild von der natürlichen Klärschlammentwässerung zu machen und aus erster Hand zu erfahren, wie der Betrieb einer Klärschilf-Anlage in der Praxis läuft.

Seit 2003 wird der gesamte Nassschlamm der Kläranlage Adelebsen in drei Schilfbeete geleitet und dort entwässert, biologisch umgewandelt und gelagert. Nur dreimal musste seither der entwässerte Klärschlamm ausgebaggert, abtransportiert und entsorgt werden. In der gemütlichen Atmosphäre einer nahe gelegenen Gaststätte konnten sich die Teilnehmer des Praxistages zunächst im Rahmen zweier Kurzvorträge über das Verfahren selbst und die konkreten Erfahrungen mit der Klärschilf-Anlage Adelebsen informieren. Danach wurde die Anlage besichtigt und vor Ort noch einmal ausführlich auf den Betrieb und die Entsorgung eingegangen.

Der Praxistag in Adelebsen wurde in Kooperation mit der regionalen DWA-Kläranlagen-Nachbarschaft organisiert.

Zukunftssichere Entsorgung

Zu Beginn stellte Dipl.-Ing. Stefan Rehfus für die PAULY GROUP die ökologische Ent­wäs­se­rung mit Klärschilf im Detail vor. Dabei ging es nicht nur um die Ökotechnik selbst. Rehfus spannte den Bogen vom laufenden Betrieb bis zur Räumung und Entsorgung. Auch die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf den Ent­sor­gungs­markt kamen dabei zur Sprache – einschließlich der zukünftigen Verpflichtung zur Rückgewinnung von Phosphor. Eine Klärschilf-Anlage punktet gegenüber einer maschinellen Entwässerung in allen Bereichen mit deutlichen Vorteilen: minimaler Energiebedarf und Wartungsaufwand, weitgehend automatisierter Betrieb, stark verringerte Restmenge, jahrelange Lagerung, flexibler Entsorgungszeitpunkt und flexibler Verwertungsweg, be­son­ders gute Ausgangsbedingungen für eine effiziente Phosphorrückgewinnung sowie – nicht zuletzt – Klimaschutz aufgrund einer überragenden CO2-Bilanz

In der Klärschilf-Anlage wird Klärschlamm durch biologische Umbauprozesse in einen wertvollen Dünger mit hohem Phosphat- und Humusgehalt verwandelt. Stickstoff ist darin fest an die organische Matrix gebunden und somit nicht auswaschungsgefährdet. Aufgrund dieser Eigenschaften hat die bodengebundene Verwertung ökologisch entwässerten Klärschlamms aus Schilfbeeten in Niedersachsen düngerrechtlich Vorteile gegenüber maschinell entwässertem Klärschlamm und darf z. B. auch im Spätsommer und Herbst in größeren Mengen ausgebracht werden.

200.000 Euro Kostenersparnis pro Jahr

Norbert Hille, Verbandsvorsteher und Geschäftsführer des Ver- und Entsorgungsverbands Adelebsen, gab dann einen Überblick über die Gründe, die zur Entscheidung für eine Klärschilf-Anlage geführt hatten und die seitdem gemachten Erfahrungen. 2003 musste die bis dahin betriebene Kammerfilterpresse ersetzt werden. Im Zuge dieser In­ves­ti­ti­ons­ent­schei­dung wurden auch mögliche Alternativen berücksichtigt und nach intensiver Prüfung eine Entscheidung für die ökologische Entwässerung mit Klärschilf getroffen. Das Verfahren überzeugte, weil es kostengünstige und effiziente Entwässerung mit jahrelanger Lagerung und flexibler Entsorgung verbindet. Vorteile, die sich seit der Inbetriebnahme vollauf bestätigt haben. Insbesondere die zusätzliche Massenreduktion durch die biologischen Um- und Abbauprozesse führen zu einer deutlichen Reduzierung der zu entsorgenden Restmenge und damit auch der Entsorgungskosten. Dazu kommt der nahezu vollautomatische Betrieb: „Das läuft so nebenher. Und wenn etwas nebenher läuft, bedeutet das ja, dass es einfach läuft.“ Insgesamt konnte Norbert Hille von einer Kostenersparnis von rund 200.000 Euro pro Jahr berichten. Adelebsen verwertet in die Landwirtschaft und die Nachfrage in der Region übersteigt regelmäßig die verfügbare Menge. Hilles Fazit: „Ich bin dankbar, dass meine Vorgänger sich 2003 für eine Klärschilf-Anlage entschieden haben. Unsere Klär­schlam­ment­sor­gung ist dadurch langfristig gesichert.

Beim anschließenden Ortstermin konnten die Teilnehmer sich dann selbst ein Bild von einer Klärschilf-Anlage machen. Zwar war das Schilf zu dieser Jahreszeit noch gelb und noch nicht wieder neu ausgetrieben, dennoch wurde die Anlage mit Klärschlamm beschickt. Denn auch im Winterhalbjahr und sogar bei Frost können die Schilfbeete kontinuierlich den gesamten Nassschlamm einer Kläranlage aufnehmen.

Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern

Eigene Anschauung und Erfahrungen aus erster Hand, dass ist das Erfolgsrezept der Pra­xis­ta­ge der PAULY GROUP. Wie sieht eine Klärschilf-Anlage aus, wie groß ist der Betreuungs- und Wartungsaufwand, wie gut ist die Entwässerungsleistung, wie hoch sind die Be­triebs­kos­ten und wie sicher und flexibel ist die Entsorgung? Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen die Teilnehmer direkt vor Ort und von Mitarbeitern der Kläranlage Adelebsen, die bereits jahrelange Erfahrung mit einer Klärschilf-Anlage gesammelt haben.

In diesem Jahr finden deshalb weitere Klärschilf-Praxistage statt. Die nächste Veranstaltung ist bereits in Rheinland-Pfalz geplant. Bei Interesse kontaktieren Sie gerne Frau Bachmann unter: ute.bachmann@thepaulygroup.de