Seit Dezember 2000 wird der gesamte Nassschlamm der Kläranlage Fürstenwalde in Schilfbeete geleitet und dort entwässert, biologisch umgewandelt und gelagert. Aufgrund der guten Erfahrungen wurde die Anlage 2011 von ursprünglich acht auf elf Beete und zusätzlich um eine Nachlagerfläche erweitert. Seit 2007 wird pro Jahr ein Beet geräumt und der entwässerte Klärschlamm entsorgt.
In den Räumlichkeiten der Geschäftsstelle des Zweckverband Wasserversorgung und Abwasserentsorgung Fürstenwald und Umland (ZVWA) konnten sich die Teilnehmer des Praxistages zunächst im Rahmen zweier Kurzvorträge über das Verfahren selbst und die konkreten Erfahrungen mit der Klärschilf-Anlage Fürstenwalde informieren. Danach wurde die Anlage besichtigt und vor Ort noch einmal ausführlich auf den Betrieb und die Entsorgung eingegangen.
Zukunftssichere Entsorgung
Zu Beginn stellte Stefan Rehfus von der PAULY GROUP die ökologische Entwässerung mit Klärschilf im Detail vor. Dabei ging es nicht nur um die Ökotechnik selbst. Rehfus spannte den Bogen vom laufenden Betrieb bis zur Räumung und Entsorgung. Auch die veränderten gesetzlichen Rahmenbedingungen und deren Auswirkungen auf den Entsorgungsmarkt kamen dabei zur Sprache, einschließlich der zukünftigen Verpflichtung zur Rückgewinnung von Phosphor. Klärschilf punktet in allen Bereichen mit deutlichen Vorteilen: minimaler Energiebedarf und Wartungsaufwand, weitgehend automatisierter Betrieb, stark verringerte Restmenge, jahrelange Lagerung, flexibler Entsorgungszeitpunkt und flexibler Verwertungsweg, besonders gute Ausgangsbedingungen für eine effiziente Phosphorrückgewinnung sowie – nicht zuletzt – Klimaschutz aufgrund einer überragenden CO2-Bilanz. Der geringe Energiebedarf einer Klärschilf-Anlage kann sogar durch eine eigene PV-Anlage gedeckt werden und ermöglicht so einen energieneutralen Betrieb.
Mit Klärschilf natürlich entwässerter Klärschlamm kann auch in Monoverbrennungsanlagen verbrannt werden. Die PAULY GROUP hat Verfahren entwickelt den entwässerten Klärschlamm so zu konditionieren, dass die besonderen Anforderungen von Monoverbrennungsanlagen vollständig erfüllt werden.
Vom Rieselfeld zur modernen Klärschlammbehandlung
Robert Neubauer vom ZVWA ging dann ausführlich auf die Entstehungsgeschichte und die Erfahrungen mit der Klärschilf-Anlage ein. Schwerpunkt waren dabei Räumung und Verwertung des entwässerten Klärschlamms. Von 2020 bis 2025 wurde der geräumte Klärschlamm in Mitverbrennungsanlagen entsorgt, seit 2026 geht es in die Monoverbrennung. Räumung und Entsorgung werden im Rahmen eines Betreuungsvertrags vollständig von der PAULY GROUP organisiert.
Im langjährigen Mittel erreicht die Klärschilf-Anlage eine Massenreduktion von 96,1 Prozent. Seit 2011 wird der entwässerte Klärschlamm nach der Räumung zunächst auf einer Nachlagerfläche gestapelt. Fortlaufende biologische Prozesse reduzieren die Masse dort noch einmal zusätzlich. Insgesamt wird so eine Massenreduktion von 97,3 Prozent erreicht. Im Vergleich mit einer maschinellen Entwässerung auf einen üblichen Trockensubstanzgehalt von 22 Prozent hat die ökologische Entwässerung mit Klärschilf in Fürstenwalde bisher rund 34.000 Tonnen Entsorgungsmenge eingespart.
Beim anschließenden Ortstermin konnten sich die Teilnehmer dann selbst ein Bild vom Betrieb einer Klärschilf-Anlage machen. Bedingt durch den einjährigen Räumungszyklus waren dabei alle Betriebsstadien vertreten. Beete mit voll ausgeprägtem Schilfbestand, Beete in der Ruhephase vor der Räumung, ein frisch geräumtes Beet und auf der Nachlagerfläche gestapelter, entwässerter Klärschlamm. „Das ist nochmal ein ganz anderer Eindruck, als nur Bilder und Grafiken anzuschauen“, fasste es ein Teilnehmer zusammen.
Erfahrungsaustausch zwischen Praktikern
Eigene Anschauung und Erfahrungen aus erster Hand, dass ist das Erfolgsrezept der Praxistage der PAULY GROUP. Wie sieht eine Klärschilf-Anlage aus, wie groß ist der Betreuungs- und Wartungsaufwand, wie gut die Entwässerungsleistung, wie hoch die Betriebskosten und wie sicher und flexibel die Entsorgung? Antworten auf diese und weitere Fragen bekommen die Teilnehmer direkt vor Ort und von Kollegen, die bereits jahrelange Erfahrung mit der ökologischen Entwässerung gesammelt haben.
THE PAULY GROUP wird deshalb auch in 2027 weitere Praxistage anbieten.



