Skip to main content

NEUIGKEITEN

Klärschilf-Nachbarschaft

Regelmäßig veranstaltet THE PAULY GROUP eine gemeinsame Tagung mit den Betreibern der Klärschilf-Anlagen. Am 8. und 9. September trafen sich rund 60 Teilnehmer zur diesjährigen Klärschilf-Nachbarschaft im thüringischen Teistungen. Neue Technologien, innovative Lösungen und Erfahrungen aus der Praxis wurden vorgestellt und intensiv diskutiert. Diesmal im Fokus: EU-Wasserrahmenrichtlinie und EU-Kommunalabwasserrichtlinie, Auswirkungen der Phosphorrecyclingpflicht, landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm und organische Schadstoffe.

In der besonderen Atmosphäre eines alten Klosterguts erlebten die Teilnehmer praxis­orientierte Fachvorträge und diskutierten im Anschluss engagiert über offene Fragen und eigene Erfahrungen. Der ausgiebige Erfahrungsaustausch wurde auch in den Pausen bei Kaffee und kleinen Snacks fortgesetzt. Für das leibliche Wohl war ebenso gesorgt, wie für unterhaltsame Abwechslung durch ein spannendes Rahmenprogramm.

Zukunft der Abwasserreinigung

Professor Peter Baumann von der Hochschule für Technik Stuttgart gab einen Überblick über den Stand der EU- Wasserrahmenrichtlinie und EU-Kommunalabwasserrichtlinie. Die Gesetz­gebungs­verfahren sind noch nicht abgeschlossen, es zeichnet sich jedoch die Einführung einer vierten Reinigungsstufe zur Entfernung von organischen Schadstoffen und Me­di­ka­men­ten­rückständen ab, die für Kläranlagen erhebliche Investitionen nach sich ziehen dürfte.

Verpflichtendes Phosphorrecycling

Ab 2029 muss Phosphor aus Klärschlämmen zurückgewonnen werden. Da parallel die landwirtschaftliche Verwertung stark eingeschränkt wird, muss Klärschlamm dann überwiegend in Monoverbrennungsanlagen entsorgt werden. Boris Schulz von der EEW Energy from Waste GmbH gab einen Überblick über den Entsorgungsmarkt und dessen voraussichtliche Entwicklung. Danach werden 2029 bundesweit genügend Kapazitäten zur Monoverbrennung vorhanden sein, wobei regionale Unterschiede zu längeren Trans­port­we­gen führen können. Für die Phosphorrückgewinnung aus der Asche gilt das aber vor­aus­sicht­lich erst ab 2032. In dieser Übergangszeit wird eine Langzeitlagerung der Asche erforderlich werden. Schulz geht für das Phosphorrecycling von Zusatzkosten von 40 bis 50 Euro pro Tonne Klärschlamm-Originalsubstanz aus.

Die natürliche Entwässerung mit Klärschilf bringt hier klare Vorteile: Das Verfahren reduziert die Entsorgungsmenge gegenüber einer maschinellen Entwässerung um bis zu 50 Prozent. Gleichzeitig erhöht sich dadurch der Phosphorgehalt und damit auch die P-Konzentration in der Asche. Das erleichtert die Rückgewinnung. Monoverbrennungsanlagen stellen besondere Anforderungen an mit Klärschilf entwässerten Klärschlamm. Die PAULY GROUP hat Verfahren entwickelt den entwässerten Klärschlamm so zu konditionieren, dass diese Anforderungen vollständig erfüllt werden.

Ressource Klärschlamm

Manfred Möhlmann von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen erläuterte ausführlich die düngerechtlichen Vorgaben für die landwirtschaftliche Verwertung von Klärschlamm und Klärschlammerde und deren praktische Umsetzung. Sofern sie bestimmten Anforderungen genügt, wird Klärschlammerde in Niedersachsen seit 2022 düngerechtlich wie Kompost eingestuft und unterliegt bei der landwirtschaftlichen Verwertung deutlich geringeren Einschränkungen. Für Niedersachsen bleibt die Verwendung von Klärschlammerde als Dünger ein wichtiger und ökologisch sinnvoller Verwertungsweg, der Nährstoffkreisläufe direkt schließt und alle Vorgaben des Phosphorrecyclings erfüllt.

Abbau organischer Schadstoffe

THE PAULY GROUP hat in sieben Klärschilfanlagen umfangreiche Untersuchungen zum Gehalt von Arzneimittelrückständen im Klärschlamm durchgeführt. Stefan Rehfus und Susanne Weidelt stellten die Methodik und die Ergebnisse vor. Danach reduziert sich der Gehalt von Medikamentenrückständen während des Entwässerungsprozesses deutlich. Eine Klärschilf-Anlage trägt als physikalisch, chemisch und biologisch aktive ökologische Ent­wäs­se­rungs­an­la­ge zum echten Abbau von Arzneimittelrückständen bei und reduziert deren Eintrag in die Umwelt wesentlich.

Erfolgsgeschichte Klärschilf

Einen ausführlichen Bericht über die mittlerweile 11-jährigen Erfahrungen mit der Klärschilfanlage Burgstaaken gab Simon Meyer von den Stadtwerken Fehmarn. Neben Vorteilen im Betrieb und der Entsorgung stellte er vor allem die Kostenersparnis von rund 250.000 Euro pro Jahr heraus. Aufgrund der durchgängig positiven Erfahrungen wurde die Klärschilfanlage in diesem Jahr um ein weiteres Beet erweitert. Da gleichzeitig ein Schilfbeet geräumt wurde, konnte die Hälfte des neuen Beetes mit einem Teil des geräumten Materials bepflanzt werden. Aus den darin enthaltenen Schilfresten trieb neues Schilf aus.

Burgstaaken sparte damit sowohl Entsorgungskosten als auch die Kosten für eine vollständige Bepflanzung des neuen Beetes. Ein gutes Beispiel für innovative Ideen und die gute Zusammenarbeit von Kläranlagenbetreibern mit der PAULY GROUP.

Blick in die Zukunft

Was sind die Herausforderungen für Kläranlagen und deren Betreiber in den kommenden 10 Jahren? Das war das Thema der abschließenden Workshops. Unter der Anleitung von Dr. Jana Gäthke, Geschäftsführerin der PAULY GROUP, wurde diese Frage in mehreren Arbeits­gruppen diskutiert und beantwortet. Und natürlich ebenso die Frage, was die PAULY GROUP zur Bewältigung dieser Herausforderungen beitragen kann, und welche zusätzlichen Serviceleistungen wünschenswert wären. Oben auf der Liste standen Entsorgungssicherheit und stabile Entsorgungskosten durch langfristige Verträge, eine Minimierung der Aufgaben außerhalb der eigentlichen Abwasserbehandlung, und Cybersicherheit und Schutz der kritischen Infrastruktur. Ergebnisse, die zeigen, dass die PAULY GROUP mit ihren Angeboten zur betriebsbegleitenden Betreuung und vollständigen Organisation von Räumung und Entsorgung auf dem richtigen Weg ist.

Eine starke Gemeinschaft

Neben Fachvorträgen und intensiven inhaltlichen Diskussionen stand wie immer der persönliche Kontakt und der Erfahrungsaustausch im Mittelpunkt der Veranstaltung. Die Tagung Klärschilf-Nachbarschaft stärkt dabei auch Netzwerk und Gemeinschaft der Anlagenbetreiber selbst, die so die alltäglichen Herausforderungen gemeinsam noch besser bewältigen können. THE PAULY GROUP freut sich deshalb bereits auf die nächste Klärschilf-Nachbarschaft, die turnusmäßig 2028 stattfinden wird.