Skip to main content

NEUIGKEITEN

20 Jahre erfolgreiche ökologische Klärschlammentwässerung

Geringe Betriebskosten, kaum Wartungsaufwand, flexible Entsorgung und 39 Prozent weniger Entsorgungsmenge - das ist die Bilanz nach 20 Betriebsjahren. Für die Stadt Schwarzenbek nahe Hamburg hat sich die Umstellung auf Klärschilf rundum gelohnt.

Am 28. März 2006 wurde die neu gebaute Klärschilf-Anlage der Kläranlage Schwarzenbek das erste Mal mit Klärschlamm beschickt. Seither nehmen die sechs Schilfbeete den gesamten Nassschlamm auf und entwässern ihn allein mit der kostenlosen Energie von Sonne, Wind und Schwerkraft. Eine Erfolgsgeschichte, denn die ökologische Klärschlammentwässerung mit Klärschilf läuft nicht nur zuverlässig und mit geringem Energie- und Wartungsaufwand, sie sorgt auch für eine sehr geringe Entsorgungsmenge und ermöglicht eine zeitlich flexible und an die Marktbedingungen angepasste Verwertung. Die Stadt Schwarzenbek als Betreiberin spart dadurch erhebliche Betriebs- und Entsorgungskosten.

39 Prozent weniger Entsorgungsmenge

Bei einer Ausbaugröße von 40.000 Einwohnerwerten fallen in der Kläranlage Schwarzenbek pro Jahr rund 20.000 Kubikmeter Klärschlamm an. Als Besonderheit werden 20 bis 25 Prozent des Nassschlamms in einer Faulung anaerob behandelt und das Gemisch dann in die Klärschilf-Anlage geleitet. Für die Schilfbeete kein Problem. Im Wurzelbereich der Schilfpflanzen sorgen Mikroorganismen für biologische Um- und Abbauprozesse, die zu einer zusätzlichen Massenreduktion führen. In Schwarzenbek wurden bei bisher sechs Räumungen insgesamt 12.870 Tonnen entwässerter Klärschlamm verwertet. Die Massenreduktion liegt damit bei 95 Prozent. Im Vergleich mit einer maschinellen Entwässerung hat Schwarzenbek eine Entsorgungsmenge von 7.500 Tonnen eingespart, entsprechend 39 Prozent. Aufgrund von Grenzwertüberschreitungen wird der entwässerte Klärschlamm thermisch entsorgt.

Tabelle: Beeträumungen, verwertete Mengen und Entwässerungsleistung der Klärschilf-Anlage Schwarzenbek seit Inbetriebnahme 2006

Jahr der Räumung

Verwertungs-
tonnage

TR-Äquivalent
nach Entwässerung

Massenreduktion

2016

2.220

30 %

94 %

2019

1.795

39 %

96 %

2020

2.398

29 %

95 %

2021

1.911

35 %

95 %

2022

2.302

32 %

95 %

2023

2.244

35 %

96 %

Summe / Mittelwert

12.870

33 %

95 %

Flexible Entsorgung

Viele Jahre können die Schilfbeete einer Klärschilf-Anlage mit Klärschlamm beschickt werden und dienen damit gleichzeitig als Lager. Erst dann muss der entwässerte Klärschlamm ausgebaggert – geräumt – und entsorgt werden. Der Zwang zur kontinuierlichen Entsorgung entfällt. Nach der Räumung treibt das Schilf von selbst wieder aus und die Anlage kann erneut Klärschlamm aufnehmen und entwässern. Es sind aber auch kürzere Räumungszyklen möglich. Die sechs Beete können unabhängig voneinander beschickt werden; Füllstand und Räumungszeitpunkt lassen sich so flexibel planen und steuern. Zusätzlich wurde der geräumte Klärschlamm auf einer angemieteten Nachlagerfläche im benachbarten Witzhave zwischengelagert und dadurch die Flexibilität bei der Entsorgung noch einmal vergrößert.

Phosphorrecycling: Klärschilf umgeht höhere Entsorgungskosten

Ab 2029 wird die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm verbindlich und es ist mit Kapazitätsengpässen bei der thermischen Entsorgung und dem anschließenden Phosphor­recycling zu rechnen. Als Folge werden erheblich steigende Entsorgungskosten erwartet. Schwarzenbek hat vorgesorgt. Die nächste Räumung und Entsorgung sind frühestens 2031 erforderlich. Darüber hinaus ist für 2027 eine vorgezogene Beeträumung in Planung. So wird Zeit gewonnen und eine Entsorgung des Klärschlamms in den voraussichtlich von Engpässen und starken Preissteigerungen geprägten Jahren nach Einführung der Phosphor-Rück­ge­win­nungs­pflicht vermieden.

Betreuung, Räumung und Entsorgung durch THE PAULY GROUP

Von Anfang an hat Schwarzenbek auf eine enge Kooperation mit der PAULY GROUP gesetzt. Regelmäßig kontrollieren Fachleute der Abteilung Service Ökotechnik die Klärschilf-Anlage, kontrollieren die technischen Einrichtungen, begutachten den Zustand der Schilfpflanzen und Messen den Füllstand der Beete und die Entwässerungsleistung. Maßnahmen wie An­pas­sun­gen an der Beschickung, zeitweises Einstauen gegen unerwünschte Beikräuter oder ein spezieller Winterbetrieb sorgen dann für eine stets optimale Anlagenleistung.

Und auch die Räumung der Schilfbeete sowie der Abtransport und die thermische Ver­wer­tung des entwässerten Klärschlamms werden in enger Absprache mit dem Betreiber von der PAULY GROUP geplant und organisiert. Die Mitarbeiter der Kläranlage sind damit wei­test­ge­hend von der Behandlung und Entsorgung des anfallenden Klärschlamms entlastet und können sich auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren.